2. Saarschleifentrail

Der Sturm am Veranstaltungstag der das Orga Team noch in der Nacht zu Streckenänderungen zwang, die kurzfristige Absage von 10 Helfern und das Entfernen vieler Flatterbänder durch fremde Personen oder den Sturm, haben diesen 2. Saarschleifentrail in Orscholzes nicht leicht gemacht.

Trotzdem waren es knapp 1000 Anmeldungen und schlussendlichein großer Erfolg für das Orga-Team.

Nachstehend ein Erlebnisbericht von Wolfram Böcher:

Mitfahrerparkplatz Winnweiler – 6 Uhr-Nieselregen und Wind — Die Frisur sitzt.
Orscholz (Saarland) – 7.25 Uhr – trocken und 25 C° (im Auto) — Die Frisur sitzt.
Atrium Cloef (Start) – 8.40 Uhr – bedeckt – 12 C° — Die Frisur sitzt.

Mit Laufkollege Josef von der LLG Wonnegau bin ich in seinem alten Skoda mit 380.000 km auf dem Tacho in Richtung Saarschleife unterwegs. Um 7.30h schicken wir die Longtrailer auf die um 5km auf 55km gekürzte Strecke. (Sturmschäden).

Unser Start verschiebt sich wegen der langen Schlange an der Anmeldung (nur 2 hilfreiche Damen für über 800 LäuferInnen) um 10 Minuten.
Und endlich gehen etwa 250 Beinpaare auf die 31 km Strecke.

Diese ist im Vergleich zum Vorjahr fast komplett neugestaltet.

Wo es mal runterging, geht’s jetzt hoch und umgekehrt. Insgesamt muss man 4 mal zur Saar runter und — logisch– auch 4 mal wieder hoch.

Nach einer glitschigen Einführungsrunde auf dem Plateau rund um den Baumwipfelpfad schlingen wir uns auf den ersten Trails runter an die Saar.

Es gibt erste Stürze und sauglatte Holztreppen und -brücken. Kaum unten angekommen kraxeln wir auch schon eine schmale Steinrinne wieder nach oben, um kurze Zeit später einen schnellen Blick vom Aussichtspunkt auf die Saarschleife zu erhaschen.

Schon geht es auf mit Geröllfeldern gespickten Serpentinen wieder ins Tal. Meine Oberschenkel fühlen sich schon jetzt Scheisse an.

Ich muss an Patrick Lange denken, der trotz schlechter Beine beim Radfahren noch auf Hawaii gewonnen hat.

So mach ich es auch – denke ich mir. Gerade spuckt uns der Singletrail am Saarufer aus, als ein heftiger Schauer niedergeht. Alle nesteln an Jacken und Kapuzen. Nur ich nicht, denn –- Die Frisur sitzt.

Nach wenigen 100m geht es auf einem steilen Trampelpfad wieder bergan. Und siehe da- die Beine sind gut. Ich überhole gehend einige Läufer vor mir. Was soll ich sagen? Oben angekommen, kurzes Stück leicht bergan, dann wieder trailmäßig ins Tal.

Es folgten eine Saarüberquerung und ausnahmsweise mal 2 flache Kilometer.

Ich holte den Ultraläufer Rene Spintler ein, der in der Einführungsrunde bereits schwer gestürzt war und sich an Ellenbogen und Steissbein verletzt hatte. Ein kurzer Plausch, gegenseitige Aufmunterung, so wie es unter Trailläufern üblich ist. Rene ist ein harter Hund und finishte den LongTrail in knapp 9 Stunden.

Doch zurück zu meinen Beinen. Die versahen mittlerweile ihren Dienst erstaunlich gut. An zuviel Training kann es nicht gelegen haben. Eher an den PowerBars (Dank an Alexandra Lang, die mir noch schnell welche besorgt hatte). So konnte ich noch etliche Plätze gutmachen.

Nachdem wir ein weiteres mal einen Anstieg zu bewältigen hatten, folgte der letzte Downhill ins Tal nach Mettlach. Okay, dachte ich. Eben war ein 25km Streckenschild vorbei gesaust, da es ist nicht mehr weit und es geht nur noch 1mal hoch. Denkste.

Das Schild war für die 60km Strecke wie sich später herausstellte. Und die PowerBars waren alle. Die Frisur—keine Ahnung. Hätte ich Haare gehabt, wären sie mir zu Berge gestanden angesichts dessen was noch folgen sollte.

Es nahm irgendwie kein Ende. Ständiges auf und ab. Und damit meine ich richtiges Auf und ähnliches ab. Ich wollte nicht mehr Laufen. Die Anstiege waren so steil, dass ich überlegte, ob es nicht rückwärts einfacher wäre. Zum Glück gab es keine Positionskämpfe. Ich war allein und hatte so den Kopf frei, um den Körper noch ins Ziel zu bringen.

Das tat ich dann auch nach knapp 3,5 Stunden (5. Rang der M 50). Endlich saß auch die Frisur wieder. Ich war glücklich und erschöpft und frage mich schon heute, warum ich mich im nächsten Jahr mit Freude wieder dort anmelden werde.

Josef finishte gut gelaunt und frisch aussehend auch noch deutlich unter 4 Stunden.