Erlebnisbericht vom Keufelskopftrail 2019 (Klos/Böcher)
Allgemeine Informationen zu dieser Trail-Veranstaltung:

Unterhalb der „preußischen Berge“ im Westrich liegt die Ortschaft
Reichsweiler .
Eingebetet in die 11. Veranstaltung des diesjährigen Keufelskopftrails (KUT) wurde die Deutschen Meisterschaften der DUV im UltraTrail.
Dieser KUT wurde wegen der Meisterschaft heuer nur mit einer Streckenlänge von ca 78km und ca 3000 positiven wie negativen Höhenmeter auf fast ausschließlich schweren Singletrails ausgetragen.

Er ist ein „Kult-Trail“, welcher zu den schwersten in Deutschland gehört.
Neben der v.g Langdistanz gibt es noch die Rahmenwettbewerbe: MarathonTrail (ca.44 km mit 1900 Hm) und einem ShortTrail (ca. 24 km und 1000 Hm ) .

Der Erfinder dieses Kult-Events ist Eric Tuerling. Der in Reichsweiler lebende Niederländer und seinen liebenswerten Mitstreiter aus Reichsweiler, geben sich jede erdenkliche Mühe, auch noch so kleine Pfade in „ihrem“ Wald rund um Reichweiler und die umliegenden Ortschaften zu finden und in den Traillauf einzubinden. 

Gabi Gründling vom ehemaligen Laufticker.de ,welche Jahr für Jahr immer ehrenamtlich dort mithilft, formulierte das einmal so:
Irgendwo, tief im finsteren Walde verborgen, liegt das geheime Labor des Eric Tuerlings. In unheimlichen Vollmondnächten, wenn kein Lufthauch die nebelverhangenen Hänge überstreicht und sich Werwölfe furchtsam die Decke über den Kopf ziehen, schlägt die Stunde des Eric’s. Dann züchtet er junge Höhenmeter für den nächsten KUT.
Eigenverantwortlichkeit ist das Gebot dieses Traillaufes.

Jeder Teilnehmer muss einen Laufrucksack mit mind. 1,5 L Wasser und entsprechende Verpflegung mit sich führen. Heuer war jedoch festzustellen, dass einige DUV-Spitzenläufer auf diesen verzichtet hatten und nachweislich unterwegs von Freunden/Bekannten verpflegt wurden. Eigentlich nicht in Ordnung.

Für die Langdistanz gibt es 4 VP mit reichlich Wasser (ohne Kohlensäure). Für die Eigenversorgung kann man vor dem Lauf nur Getränke deponieren. Alles, was irgendwie den Anschein von Essbarem hat, also auch Müsliriegel,Gels etc., durfte nicht an die Deponieflasche.
Wer unterwegs „Laufmüll“ entsorgen will, konnte dies an den VP tun oder wieder ins Ziel mitbringen. Der Wald und das Geläuf sollen sauber bleiben und das war es auch.

Sehr penibel wird die Anmeldung durchgeführt. Ohne Personalausweis, Ausschlusserklärung, eigener Trinkbecher, Angabe der Handynummer, gibt es keine Starterlaubnis.

Vor dem Start:

Um 7:00 Uhr war für Wolfram und Karl-Heinz der Start.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Eric wurde  auch pünktlich gestartet. 

Ausführungen zum Rennverlauf bei Karl-Heinz:

Mir war im Vorfeld dieser Veranstaltung sehr bewusst, dass der KUT mit seiner minimalisten Vorbereitung einem Ritt durch den „Westricher Dschungelwald“ gleichkommen wird. Grund: 2014 lief ich dort zum erstenmal den “langen KUT mit 85km und wusste was mich dort erwartet.

Gleich zu Beginn der ersten 19km im Trail, konnte man feststellen, dass die sonst übliche Seilhilfe Richtung „Alter Steinbruch“ in diesem Jahr- vls. wegen der dt. Meisterschaft- außen vor bleiben musste. Die neue Streckenführung überzeugte. 

Übrigens, sofort nach dem Start konnte ich meinen direkten AK-Konkurrenten ( den alten und neuen dt. Ultratrailmeister H.D. Jancker) an der Startnummer ausfindig machen.

Nach dem 1.VP liefen uns direkt die 24km-Starter vor die Nase. Dieser Umstand stoppte den Vorwärtsdrang natürlich aus, was aber letztendlich nicht tragisch war. Jeder, aber auch Jeder kann sich dort anschließend noch genug auspowern.

Danach lief das Trailrennen eigentlich sehr easy und harmonisch ab. Kein weiteres Gedränge, viel Rücksichtsnahme, wie eben unter Trailrunnern üblich.

Die ersten 4:50 h Stunde im KUT verliefen für mich eigentlich entspannt ab. Da war z.B. am letzten Wochenende der fast im roten Bereich gelaufene 10km Wildsaulauf in Mölschbach wesentlich härter. 

Aber dann kam es, wie so oft, wenn man solche langen Dinger nicht trainiert hat. 

Eine Pinkelpause (die 3. an diesem frischen Morgen) und das Suchen meiner ISO-Flasche am anschließenden VP 3 verursachte einen Abstand von ca 400m zum AK-Wettbewerber. Er wurde bei jeder VP persönlich betreut. Ab diesem Zeitpunkt war für mich klar, dass dieser Abstand so leicht  nicht mehr zugelaufen werden konnte.

Jetzt hieß es noch vernünftig angekommen.

Nach ca 6.40 h (km ca 64) Laufzeit kam leider der 2. Hammer: 

Zu Dritt suchten wir vergeblich die rot/weißen Flatterbänder, keine weißen Pfeile auf dem Boden.  Die beiden anderen Trailer gingen irgendwann zurück und ich trappte weiter, fand noch ein Flatterband, aber es zeigte sich als Fake. Meine Entscheidung kam dann sofort: Entweder auch zurück, weitersuchen oder Ende „Gelände“.  Ich entschied mich für letzteres.Über einen Windwurf musste ich dann auch noch klettern. Irgendwann kam in der Ferne eine Ortschaft in Sicht.  Später erfuhr ich: Es war Oberalben (bei Kusel) .

Eine freundliche Dame schrieb mir auf Papier die restliche Straßenwegstrecke (ca 10km bis Reichsweiler) auf und ich machte mich auf der linke Straßenseite auf den Weg Richtung Reichsweiler. Nach gefühlten 20 Min. Fussweg, stoppte  plötzlich ein Auto neben mir. Es war die Frau aus Oberalben, und fragte , ob sie mich doch nicht nach Reichsweiler fahren sollte. Das Angebot schlug ich natürlich nicht aus. 

Da sie erst vor kurzem aus Salzburg nach Oberalben umgezogen war, fuhr sie mich nach Google-Routing  nach  Reichsweiler.

Im Ziel zeigte ich sofort meine DNF an. Lauffreund Max Kirschbaum- als neuer dt. Vizemeister –  saß am erstenTisch und wollte schon gratulieren. Nix, sagte ich und zeigte ihm meine Uhr: 7:50 h, jedoch 80km (incl, 10km Autotransport), Außer den verbrauchten 4800 kcal gab es nichts zu gewinnen. Nur war man eine Erfahrung reicher. 

Fazit aus Sicht aus meiner Sicht:

Erste DNF geholt , 64km auf dem 2. AK-Rang gelegen und dann schlappe 14km vor dem Ziel dieses Missgeschick.

Aber überhaupt keine Verärgerung. Das ist halt Trail. Es hat trotzdem Spass gemacht. 

Wiederholung eines solche UltraTrail > 70km vsl nicht mehr. Oder??

Wenn man einen schweren Traillauf wie der KUT mit Podiumsabsichten in Richtung Platz 1 finishen möchte, sollte man im Vorfeld  mindestens 4-5 entsprechende Trailläufe/Wettkämpfe +-50km absolvieren. Rang 2- wie es Max Kirschbaum erfahren hat- ist immer shit, dies gilt eigentlich auch im AK-Bereich, so wie ich 2014 bereits die Erfahrung machen durfte.

.Ausführungen zum Rennverlauf von Wolfram Böcher:

Zum 4. Mal in Folge nahm ich am KUT in Reichweiler teil. Die Kurzstrecke lief ich 2 mal und gewann tatsächlich auch die AK-Wertung. Beim 44-er im letzten Jahr war ich Dritter. Das das so nicht weitergehen konnte wollte ich mir auf der Langstrecke beweisen. Im Großen und Ganzen wusste ich ja, was auf mich zukommen würde. Mit Lauffreund Jörg Fritsch von den Rokland Runners absolvierte ich die ersten 10km. Karl-Heinz war bereits enteilt. Sehr verständlich, wenn es um den Titel des Deutschen Meisters in der AK65 geht. Und wer Karl-Heinz kennt und Rennen mit ihm macht, weiß, das er keine Gefangenen macht, sondern in der Regel „ALL-IN“ geht bzw. läuft. Trotzdem machte ich mir Hoffnung, ihn vielleicht doch irgendwann einholen zu können. Und hier tritt eines der Hauptprobleme eines solch langen Laufes zu Tage: Die Kopfarbeit !!! Selbst wenn man darauf vertrauen kann, daß man es wahrscheinlich körperlich schaffen wird, heißt das noch lange nicht, das die Birne auch mitmacht. Nie weiß man wo genau man liegt, oder was noch kommt, oder ob man irgendwann nur noch gehen kann, oder eventuell (wie sehr viel Läufer-auch Karl-Heinz) stürzt, oder kotzt, oder schlicht restlos bedient ist und sich nur noch fragt, ob Eric Türlings sie nicht mehr alle hat, oder vielleicht sogar man selbst.

Na jedenfalls sah ich Karl-Heinz an der VP 1 bei 19km gerade weglaufen und konnte somit sicher sein, dass bei uns beiden alles ganz gut lief. Dies war bei mir an VP 2 schon nicht mehr der Fall, denn wie schon am Donnersberg-Trail hatte ich zwischen Km 25 und 35 meinen Tiefpunkt. Ein gediegenes „Runners High“ bemächtigte sich meiner und so erfuhr ich an VP 3 bei km 47, das Karl-Heinz hier eben vorbeigerauscht war. Also nichts wie hinterher. Ich wollte ja parat sein, für den Fall, daß er langsamer wird, was ich allerdings tief im Inneren kategorisch ausschloss. Aufgrund der abartigen Streckenführung ist es nie möglich, einen Läufer, der sich weiter als 1 Minute vor einem befindet, jemals zu Gesicht zu bekommen. Mittlerweile fühlt man sich auch sehr einsam, denn Laufgrüppchen sind die absolute Ausnahme. Man ist mit sich und dem Wald weitgehend alleine. Spätestens jetzt kommen die Schmerzen. Bei mir an folgenden Körperteilen: Zehenspitzen-Zehengrundgelenken-Fußgewölben-Achillessehnenansätzen-Kniegelenken-Leisten-Nackenmuskulatur. Ich sage mir, daß ich einen solchen Lauf nie mehr machen will. Wenn es bergauf geht bin ich froh, denn dann kann ich wandern, weil bergab tuts noch viel mehr weh. Und dann wieder der Kopf, der meinen Körper anschreit, damit ich auf der Geraden wieder das Laufen anfange. 

Dann kommen die letzten 10km die teilweise zu den schlimmsten des ganzen Laufs gehören. An mindestens 3 Stellen sind Seile gespannt, an denen man sich senkrecht zum Berg hinaufziehen muss-anders ist das nicht zu bewältigen. Etliche Anstiege muss ich im Querschritt erklimmen. Noch schlimmer sind die sausteilen Abhänge -teils auf lockerem Geröll- bei denen ich nicht weiß, wie ich sie sturzfrei hinter mich bringen soll. Aber wir sind ja im Wald und es gibt genügend Bremsbäume. Ich schaue schon längst nicht mehr auf die Uhr und hoffe, daß mich die 3. Flasche Cola sicher ins Ziel bringt. Nach kühlem Laufbeginn von ca. 10 Grad, zwischenzeitlichen heftigen Wind, empfängt mich Reichweiler nach 10 Stunden und 2 Minuten bei strahendem Sonnenschein. Im Ziel überreicht mir Eric strahlend die Finisher- Medaille und fragt, wie es war. Ich verkneife mir ihn zu beleidigen und lade ihn zur Strafe zum Donnersbergtrail ein. Er sagt spontan zu- auch wenn er noch mit dem Training erst anfangen muss.

Das war der KUT 2019- ich kann keine Trails mehr sehen und komme gerne wieder, wegen der schönen Athmosphäre und der genialen Lyonerpfanne im Ziel.    

Ein Bericht von Karl-Heinz Klos und Wolfram Böcher

Kategorien: Allgemein