Zwei ROKLandrunner (Volker Klein und Josef Galozi) und zwei LC-er (Wolfram Böcher und Karl-Heinz Klos) hatten seit Anfang Januar dieses Kult-Trail-Event in Frankreich fest im Blick.

Neben dem UltraTrail wurden noch 3 kürzere Trailstreckenvarianten angeboten.

Natürlich meldeten sich unsere Nordpfälzer Trailrunner für die UltraDistanz mit 55,4 km und 2200 Hm in Rouffach an.

Diese kleine Stadt „Rouffach“, wurde bisher vom übermäßigen Touristenansturm verschont. Die alten Fachwerkhäuser haben schon gehörig Patina angesetzt, was genau auch den nostalgischen Charme und Reiz ausmacht. Neben alten Patrizierhäuser und Zehnthöfe stehen dort besonders viele bemerkenswerte Gebäude aus der Zeit der Spätgotik und Renaissance.

Gleich nach ihrer Ankunft legte Karl-Heinz Klos vom OrgaTeam des Donnersbergtrails die LC-Trail-Flyer in der bereits voll besetzten Stadthalle aus. 

Die Ausgabe der Startunterlagen wurden vorher elektronisch abgeglichen: Vorlage des Zahlungsnachweise und Barcodeeinscannung. Danach erhielt jeder Teilnehmer eine Flasche Crémantsekt.

Übernachtet wurde in der JH Breisach (ca. 29km von Rouffach ).

Da die JH-Kantine am Starttag erst um 7 Uhr öffnete und wir gegen 6:40 h los mussten, gab es nur ein Minifrühstück: Wasser mit Haferflocken oder mitgebrachte, trockene Brötchen.

Nach einem kurzen Zollstopp an der Grenze in Breisach (Coronavirus, Drogen??), ließ man uns aber schnell passieren.

Auf der Fahrt Richtung Rouffach waren wir froh, dass das Wetter gottseidank umgeschlagen ist. Trotzdem musste man oben am Petit du Ballon weiterhin mit Schnee zu rechnen.

So stellte sich für uns wenigstens nicht die schwierige Kleiderfrage. Eine lange Hose und die Mütze auf dem Kopf, war trotz ansteigender Temperaturen sinnvoll. Regenjacke,Buff, 1L Wasservorrat, Handy, Rettungsdecke, Trillerpfeife waren Bedingung zur Teilnahme.

Ca. 4000Trailer wurden Freitags angekündigt; wobei wir per Mail die Aufforderung erhielten, sich sofort zu melden, wenn wir aus einer der betroffenen Coronavirusregion kommen sollten.

Bei unserer UltraTrailvariante sollten morgens 1200 Trailer am Start sein. Am Ende kamen 956 TN ins Ziel, wie viel aufgeben haben oder wegen Corona zu Hause blieben, war uns nicht bekannt.

Im Streckenbild ist die Form einer großen Schleife mit zwei Schnittpunkten (incl. Verpflegungsstationen) zusehen.

Um Punkt 8 Uhr wurden wir pünktlich -bei vielleicht 9 Grad plus – auf die Strecke geschickt.

Nach ein paar hundert Metern durch Rouffach erreichten wir die umliegenden Weinberge. Schon auf den ersten 2 Kilometer zeichnet sich ab, dass es schwierige, um nicht zu sagen: schmierige Bodenverhältnisse geben wird. Wenn man so will, also ideales Trailwetter. 

Nach knapp 5 km setzte sich Wolfram von Karl-Heinz bereits ab.

Kurz vor dem ersten VP ( ca. 11km) fanden wir bereits gepflegte, schlammige Trails vor. Wildsäue und Trailer haben hier ihre wahre Freude! Es folgte dort unten schon richtige, steile Anstiege ausschließlich auf Singletrails jedoch noch nicht vermischt mit Matsch und wässrigem Schnee.

Trotzdem war in diesem Streckenteil schon ein gutes Profil auf den Sohlen enorm wichtig.

Die starken Auswirkungen der Sturmböen haben sich gezeigt. Die ersten umgefallenen Buchen und Fichten mussten überquert werden.

Ca. 400 Hm waren so bis zum Pass „Boenlesgrab“ zu absolvieren.

Noch wussten wir nicht so richtig, wie der eigentlich „läppische“ 1.272 m hohe Petit du Ballon zu bezwingen ist.

Kurz vor dem 2.VP am Pass „Boenlesgrab“ traf KH schon ihm bekannte Läufer: Bernhard Scheib aus Hauenstein und Matthias Winde von der Landauer RunningCompany.

Nach der Getränke- und Verpflegungsaufnahme ging es dann richtig zu Sache. Sehr steile Bergpfade und die ersten Schneefelder mussten bewältigt werden.

In Serpentinen führte uns der Trail, dann über freies Bergwiesengelände hoch zur Marienstatue, der Gipfelmarkierung des Petit du Ballon.

Ohne mit Wolfram zwischendurch Kontakt zu haben, erreichte KH ca. 1,5 Min später den Gipfel.

Dort oben erlebten wir eine tolle Aussicht: 360° Panorama über den Hohneck, das Münstertal, zum Grand Ballon und zum Schwarzwald bzw. bis in die Schweizer Alpen waren möglich.

Aber dann folgte (ab km 29 ) wahrhaftig die größten Herausforderungen des Tages:

Steil abfallende, teilweise alpine Bergpfade mit Schnee/Matsch erwarteten die Trailer. Und das Teilnehmerfeld (vor allem die jungen Wilden) drückten von hinten mächtig auf die Tube. Manche stürzen sich ins Tal, als ob es kein Halten mehr gibt. Der eine oder andere machte den Abgang in den verblockten Trails.

Auch KH landete 1x im Matsch. Dieser Dowhillpfad war kriminell. Wolfram war KH bergab erneut enteilt. Wie die jungen Trailer lies er seine Speedcross-Schuhe einfach laufen.

Nach dem Motto: Es lebe der Traillaufsport, er ist gesund und macht uns hart; wobei KH in dieser steilen Abwärtspassage noch keine Knieschmerzen verspürte; aber der Sturz machte ihn vorsichtiger.

Nach einem gut zu laufenden Waldweg konnte er auf Wolfram aber wieder aufschließen.

Beim erneuten Boxenstopp am „ Boenlesgrab“ gab es schnell noch ein paar Salzbrezeln, Trockenfeigen und ab ging es im richtigen „Rennfieber“ in den nächsten Downhill.

Leider hatte Wolfram nach dem VP „ Boenlesgrab“ den zweiten leichten Durchhänger.

Für alle Trailer, welche in dieser Rennsituation noch fit waren, hieß es jetzt: Nur noch runter vom Berg. Im anschließendem Waldstück waren zwar noch einige knöchelgefährdende Serpentinen zu bewältigen, aber endlich kamen gut lauf bare Schotter- und Waldwegpassagen.

Ab dem vorletzten VP (die berühmte Feldscheune) waren es dann nur noch 12km.

Ob die auch noch geschafft werden?

Für KH lief es dort noch rund, aber das rechte Knie meldete sich immer öfter.

Noch 5km.  Aber so eine Gemeinheit: Es ging nochmals rauf. Singletrails zwar wunderbar mit Blick auf die Rheinebene; aber die Schritte wurden immer kürzer.

Auch Oliver Rottweiler (M 45, 2maliger DonnersbergTrail-TN) lief ca. 2km vor dem Ziel erneut auf.  Egal, laufen lassen; der hat jüngere Beine. Jetzt gilt es mental locker zu bleiben und das Trailrennen nach Hause zu laufen.

Es folgte dann nur noch ein kurzer Abstieg durch die Weinberge und schon war man wieder in Rouffach. Noch einmal rechts, einmal links und in die Zielgerade zur Messmatte laufen.

Mit einer „schlappen“ 89km-Vorbereitung innerhalb der letzten 5 Wochen kam KH als erster der Fahrgemeinschaft in 7:23 h ins Ziel. Erst zuhause stellte er fest: Mensch, Rang 2 in der Altersklasse. Wau!

Wolfram Böcher kämpfte sich nach den zwei Durchhänger erneut durch und  erreichte mit dem 57. Rang in der sehr gut besetzten M 50er-Klasse eine hervorragende Laufzeit von 7:40 h.

Volker Klein von den ROKlandRunners, reiste mit Erkältung am Vortag an. Aber nach dem Start pustete er sich auf den Trails so richtig frei und lies es besonders im Downhill krachen. Sehr zufrieden kam er 8:18 h ins Ziel. Als unser Fahrer schaffte er auch noch die Rückfahrt in die Nordpfalz mit Bravour.

Das es auch gemütlicher geht, zeigte uns Josef Galozi aus Bischheim. Er lieferte uns die schönen Smartphonebilder. Er erreichte das Ziel in 8:48 h und war noch locker drauf.

In Rouffach waren ebenfalls uns bekannte LäuferInnen sowie Donnerbergtrailer zu sehen: Pia Winkelblech (18kmTrail), Heike Buchinger und Julia Fatton (geb. Alter) 28km Trail, Silke Schütt und Thomas Pischen. Michael Dhom aus Würzweiler (7:30 h) Christian Herrgen (7:44 h), Matthias Winde (locker 8:36 h: er lief dort schon eine 6:10 h).

Fazit:

Ein gelungener Trail zum Saisonauftakt. Aber er ist nicht zu unterschätzen. 55,4km und 2200 hm sind wegen der Downhillpassagen ab km 29 brutal hart, wenn sie schnell gelaufen werden.

Gutes Trailschuhprofil und event. Stöcke kann man hier empfehlen.

Sehr gut organisierte 17. Trail-Kult-Veranstaltung, eine hohe Leistungsdichte französischer Trailrunner,VP‘s und Streckenmarkierungen waren Top.

Nach Zielverpflegung gab es noch die Finisher-Sweetkapuzenjacke (Wert: 60.-) .

Siegerehrung: Anders als wir es in der Pfalz bei Bergläufen etc. gewohnt sind; nur Rang 1 der jeweiligen AK-Klasse wurde ausgezeichnet.

Egal, wir hatten großen Spass. Jetzt heißt es: Regenerieren und das Erlebte einfach „sacken“ lassen.

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