Kleine Rückschau zu gestern…
…so, mit ziemlich genau einem Tag Abstand wollte ich noch ein paar Worte sagen, gestern war ja die Luft etwas knapp. Zuerst noch einmal vielen vielen Dank an alle, die den gestrigen Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben (trotz Coronakrise!). Angefangen von meiner Familie, die in den letzten 10 Wochen (vor allem an Sonntagen, wo man als Familie eigentlich was zusammen macht) knapp 60 Stunden trainingsbedingt auf meine Anwesenheit verzichten musste. Danke auch an meinen Arbeitskollegen Mario, der als geplante, mobile Verpflegungsstation 40km auf dem Rad neben mir hergeradelt ist. Und natürlich auch ein großes Dankeschön an die komplette LC-Familie (ich nenn es mal so, weil sich gestern ja unter Einhaltung der Abstandsregeln nur Mitglieder von zwei Familien in der Öffentlichkeit treffen durften, somit waren wir wenigstens immer im grünen Bereich ). Unfassbar, was da auf die Beine gestellt wurde. Ich hab mir ja gedacht als ich letzte Woche schrieb, dass ich den Marathon laufe, es würden sich sicher 3 oder 4 finden, die ein Teilstück mit mir laufen. Aber dass da gefühlt der komplette Verein auf den Beinen ist um Verpflegungsstellen aufzubauen, mitzulaufen, mit dem Rad mitzufahren, Bilder zu machen, anzufeuern… für einen „Trainingslauf eines Hobbyläufers“… überwältigend, sensationell, grandios. Eigentlich kaum in Worte zu fassen. Ich hoffe ich bekomm irgendwann die Gelegenheit, das wenigstens bei dem Ein- oder Anderen wieder in Teilen gutmachen zu können. Danke natürlich auch den restlichen LC’lern die nicht vor Ort waren für die Grüße, Glückwünsche und das Daumen drücken. Stellvertretend für alle, bei denen ich mich zu bedanken habe ein paar Beispiele…

Pacemaker + mobile Verpflegungsstation Streckenverpflegung

Family + Motivationsteam am Straßenrand über 42km verteilt…
Für alle Nicht-Strava-Mitglieder, die Party gestern Morgen dauerte (laut meiner Uhr) 3:11:54 Stunden (für 42,2 km) bzw. 3:13:44 bis zum Zielbanner nach (laut Uhr 42,61 km). Ich hoffe mal, dass alle die da waren wenigstens auch ein wenig Spaß hatten…

Gut, da ich ja nun seit einem Tag mitreden kann, glaube ich den Grund erkannt zu haben, warum viele von Euch so gerne Marathon laufen. Es liegt wohl daran, dass es in allen anderen Lebenssituationen (die mir momentan so einfallen) nicht möglich ist, in so kurzer Zeit so viele Gefühlswelten zu durchlaufen. Das fängt ja schon morgens weit vor dem Lauf an mit einer Menge Aufregung. Gepaart mit ein wenig Sorge und Unsicherheit, ob das auch alles so klappt wie man es sich denkt. Kurz nach dem Startschuss wuchs dann aber bei mir gestern erst mal die Zuversicht und der Spaß, als ich nach 5 km merkte, es läuft. Dazu gesellt sich nach 10km die Überraschung wie leicht und locker man doch in der eigenen Zeitvorgabe läuft, wenn man sich nicht alleine quälen muss. Zumindest fühlte es sich da noch sehr leicht an, was dazu ermunterte ein wenig zu viel zu Schwätzen, muss man vielleicht in der Nachbetrachtung gestehen. Auch beim ersten Durchlauf in Münchweiler überwogen noch die Glücksgefühle. Als Max nach ca. 1:34:20 sagte „So, die Hälfte haben wir schon“ und es sich weder irgendwelche Wehwehchen, noch ein Müdigkeitsgefühl eingestellt hatte, baute sich so langsam ein großes Vertrauen in die eigene Stärke (gepaart mit Erleichterung) auf, dass das alles so gut klappt. Beim zweiten Passieren von Münchweiler nach knapp 25 km war immer noch das Erstaunen groß, weiterhin gleichmäßig weiterlaufen zu können. Und dann? Dann kam schon 2 km später der radikale Umschwung… langsam wichen die positiven Gefühle und die negativen machten sich breit. Der Glaube der in den ersten 27 km noch da war, das bis ins Ziel so durchziehen zu können wurde zunächst mal umgewandelt in eine Form von Ratlosigkeit. Wieso fühlt sich von nun auf gleich alles was bis eben locker war, sich plötzlich soooo schwer an? Als ich dann nach 34 – 35 km Probleme hatte, meinem neuen Pacemaker zu folgen, schlug das Gefühl schon eher in Richtung Angst um. Es wär ja voll peinlich gewesen 6 oder 7 km vor dem Ziel aufgeben zu müssen, bei allem was der LC da so aufgeboten hat. Nach dem letzten Passieren des Altersheims begann dann eine Gefühlskombination aus Schwäche, Qual und Schmerz. Vor allem das letzte Gefühl durfte mich dann bis ins Ziel begleiten. Und natürlich der Frage, wie man innerhalb von 30 Minuten von den höchsten Glücksgefühlen ins tiefste Tal der Tränen stürzen kann. 39 km, immer wieder der Blick zur Uhr, die unmissverständlich anzeigt, dass man langsamer wird… neben den Schmerzen macht sich nun Enttäuschung breit, die MainzMeldezeit von 3:10:00 wird wohl nix. Da, endlich das Ortsschild Münchweiler, eine erste zarte Hoffnung keimt auf, das Bürgerhaus zu erreichen ohne (aufgrund der nun doch schon länger anhaltenden Wadenkrämpfe) gehen zu müssen. Überqueren des Zielstrichs, wieder angekommen in der Welt und raus aus dem eigenen Tunnel. Freude, zum Einen weil man es geschafft hat, zum Anderen weil man seine Vereinskollegen (hoffentlich) nicht enttäuscht hat, bei allem was die auf die Beine gestellt haben. Dankbarkeit und Rührung für alles, was eine sehr große Anzahl von Leuten neben und auf der Strecke für einen getan haben. An einem ganz normalen Sonntagmorgen, an dem es ja eigentlich um nix ging…

„21 Gefühlsregungen in knapp 4 Stunden, wenn das (für alle die es noch nicht getan haben) kein Grund ist Marathon zu laufen.“ (sprach der 800m-Läufer)

… und heut Morgen? Große Verwunderung, dass mir außer meinen Oberschenkeln beim Treppenlaufen gar nix weh tut. Das hatte ich etwas anders erwartet. von Sascha Christmann

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