Name – Christmann, Vorname – Sascha, Altersklasse – M40, Verein – LC Donnersberg, Zielzeit – 3:10h und auf dem Anmeldebutton bestätigen. Die erste Hürde zum Marathondebüt ist geschafft. Die nächste Herausforderung, einen vernünftigen Trainingsplan finden und diesen auch durchzuziehen. 
Für Sascha stehen da ganz neue Trainingsarten drin. Langer Dauerlauf, und auch noch das, 30km+, ein eher untypischer Trainingsbaustein für einen 800m-Läufer. 
Konsequent spult er aber dennoch seinen Plan ab, bis zu 6 mal pro Woche und so gut wie immer 70+ Wochenkilometer. So langsam findet auch er den Reiz im Marathontraining und die Vorfreude wächst. Schließlich rückt der Guthenberg Marathon in Mainz immer näher. 

Plötzlich tauchte in den Nachrichten ein Virus namens Covid-19 auf und wie sich im Verlauf des Frühjahrs herausstellte, legte das Virus die ganze Sportwelt lahm. Lang bibberte Sascha, dass sich die Lage bis in den Mai wieder legt, leider vergebens. 
Der Marathon ist Mainz wird abgesagt, eine Nachricht, welche jeden Marathoni, auch Sascha erst einmal in ein Loch fallen lässt (sportlich). Schnell wurde ihm aber klar dass seine ganze Vorbereitung nicht umsonst sein kann, schließlich verlangte er seinem Körper und auch seiner Familie einiges ab.


So wurde aus dem Rhein schnell die Alsenz und aus Mainz, Münchweiler. Mithilfe seiner mathematischen Fähigkeiten als Mathe Lehrer war die Streckenplanung schnell abgeschlossen. Als mobile Verpflegungsstelle stand ihm ein Arbeitskollege auf dem Rad zur Seite, um Sascha mit ausreichend Energie zu versorgen. 42,195 km ohne jeglichen Zuschauer, ohne Mitstreiter, dass wird verdammt hart und einsam.
Das kann nicht die richtige Lösungsmenge für den 10. Mai sein.
In einer eigens erstellten PDF Datei informierte Sascha seine Vereinskollegen über das Vorhaben und hoffte so dass ab und zu an der Strecke ein gelbes T-Shirt oder eine blaue Jacke auftaucht, um ihn wenigstens ein bisschen Unterstützung zukommen zu lassen. 
Diese Rechnung hat er aber ohne den LC gemacht, halbe Sachen gibt es nicht! 

Als Sascha nichts ahnend kurz vor seiner angedachten Startzeit um 9:00 Uhr in Münchweiler ankam war er nicht alleine. Pacemaker haben sich schon ein gefunden und ihre Schuhe geschnürt, um ihn abwechselnd zu begleiten (unter Einhaltung der Vorschriften). Nur selten gab es einen Abschnitt, wo unser Marathonläufer nicht ein Mitglied der LC Familie am Rand der Strecke oder auf dem Rad sah. Ein super Energieschub für die nächsten Kilometer auf der langen Liste. 
Ein Tempo zwischen 4:30 und 4:40 Minuten pro Kilometer wollte Sascha anschlagen. 

Kilometer 5 – 22:40min steht auf der Uhr, das Tempo passt (4:32min/km). 
Immer in einer regen und lustige Unterhaltung mit seinen Pacemakern verflogen die ersten Kilometer wie im Flug. Natürlich wurde beim Laufen der Abstand und die Vorschriften stets eingehalten.
Die nächste Zwischenzeit in Alsenborn bei Kilometer 10 wurde nach 45:20 Minuten (4:32min/km) erreicht nach 1:07:13h war auch schon Kilometer 15 passe. Sascha kam merklich in den Genuss des Runnershigh, das Tempo wurde bis zur Halbmarathonmarke stetig und kontrolliert schneller. Die Beine zeigten nach 1:33:58h (4:27min/km) bei der besagten Zwischenzeit immer noch kein Anzeichen von Müdigkeit. Wie sollte man auch nur an müde Beine denken, wenn ständig ein LC Kollege auftaucht und einen anfeuert. Während des Marathons setzte Sascha auf eine Kombination aus Biotreibstoff von Bananen und Chemischentreibstoff in Form von Gels, um seinen Körper auf Höchstleistungen zu bringen. So schön das Runnershigh auch sein kein, so hart ist seine Kehrseite. Puh, so früh sollte es nicht zäh werden kam Sascha bei Kilometer 28 in den Kopf. Merklich wurden auch die Gespräche weniger und der Tunnelblick stärker. Wir nehmen raus und „verschnaufen“ mal die nächsten 5km ein wenig, schlug sein Pacemaker vor. Zwischen Kilometer 28 und 32 wurde das Tempo so auf 4:39 getrosselt. Wobei Sascha immer noch verdammt gut im Rennen lag, 3:10h war die hochgerechnete Endzeit. Dann stiegen die erfahren Hasen ein, um Sascha auf seinen bislang härtesten 10km zu begleiten. Das Tempo wurde nur geringfügig langsamer (4:44min/km), dafür aber die Wadenkrämpfe umso heftiger. 
Leiden, dass kann ein 800m Läufer und aufgeben kommt erst recht nicht in Frage. Also blieb nur Zähne zusammenbeißen und die letzten Meter abspulen.
Saschas Familie wartete gespannt auf den Zieleinlauf in Münchweiler und da bog er auch schon um die Ecke. Seine Kinder hielten für ihn ein selbstgebasteltes Zielbanner hoch. 
42.193, 42.194, 42.195. Endlich der erlösende Griff zur Uhr an den Stoppknopf. „So schnell wollte ich eigentlich gar nicht laufen“, war die Reaktion des Marathon Denütanten als er seine Endzeit von 3:11:54 schwarz auf weiß auf der Sportuhr wahrgenommen hat. 

Überwältigt von seinen Gefühlen, in der einen Hand mit Weizenbier und in der anderen mit einem Schokoladenpokal, ließ Sascha seinen Körper erstmals nach den langen Strapazen zur Ruhe kommen. 

Alles in allem ein unvergesslicher erster Marathon, welcher auch noch schneller als erwartet ablief.
Chapeau!

Bei den Pacemakern und Zuschauern wurden stets die Covid-19 Richtlinien und der Sicherheitsabstand eingehalten. 

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