Der Schinder Trail – alias: The Rubber Duck Challenge

Womit haben wir es hier zu tun?

Nachdem mein Lauffreund Lüder, von der Tri Equipe Eltz aus Limburg, am 16. Mai zu uns in die Pfalz kam, um mit mir den DonnersbergTrail hochleben zu lassen, stand nun der Gegenbesuch im Blauen Ländle an.

Dort gibt es seit wenigen Jahren den Schinder Trail. 

Warum eigentlich Schinder Trail? 

Zum einen führt die Strecke durch die Gemarkungen, in denen einst der Schinderhannes sein Unwesen trieb, vorbei an seinem Geburtsort Miehlen und der Schinderhanneshöhle. Zum anderen ist die Streckenlänge von 66,7 Kilometern durchaus lang genug, damit sich der ambitionierte Trail-Läufer auch hin und wieder mal etwas „schinden“ kann.

Das ist jedoch noch nicht alles. Als wäre es noch nicht genug gibt es einen Sommer- und einen WinterTrail, 

die auf der selben Strecke mal in die eine und mal in die andere Richtung gelaufen werden. 
In den warmen Monaten, mit langen Tagen, kann man optional die Extended Version unter die Laufschuhe nehmen. 

Das bedeutet 60km zusätzlich!!! 

Die extra Portion Kilometer führt  durch die Nacht (Start abends) zum Startpunkt des eigentlichen Trails. 

Hierfür ist eine gute Orientierung von Vorteil oder aber eine gute GPS-Uhr. 
Auch wir orientierten uns an Lüders Uhr, da er schon die Winterrunde absolviert hatte. 

Die Schwierigkeit, die angezeigte Route rückwärts zu laufen, meistert er bravourös.Klar ist, dass wegen Corona der SommerTrail heuer leider ausfallen muss. Deshalb hat der Veranstalter die Rubber Duck Challenge ins Leben gerufen. 

Für eine Anmeldegebühr von gerade mal 66 Cent erhält man eine Startnummer, speichert den gelaufenen SommerTrail und registriert sich somit. 

Wichtigste Voraussetzung ist jedoch, dass obligatorische Foto mit der GummiEnte! 
Wo sich diese auf der Strecke befindet, weiß man auf etwa 1km genau im Voraus. 
Also Augen offen halten! – wie eigentlich immer beim Trailen.

 

Wir starten in Holzhausen an der Haide. Zunächst führt uns die Strecke mehrfach um den Ort herum. Unser erster Zielpunkt ist der Graue Kopf, die höchste Erhebung der Gegend (534m- lächerlich!!).

Vorher passieren wir den Limes und ein RömerCastell im Wald. 

Eine weitere Besonderheit dieses Trails ist, dass durchlaufend immer nur jede zweite Startnummer vergeben wird. Das hat folgenden Grund. Hinter dem „Gipfelschild“ befindet sich eine Plastikdose, in welcher der sogenannte „Schundroman“ liegt. Der Titel in diesem Jahr: „SCHMERZMACHER“.

Aus diesem Buch reißt sich der Läufer die Seite heraus, welche seiner Startnummer entspricht. Die entsprechende Buchseite wird dann im Ziel als Beweis vorgelegt.

Auf Wald-, Feld- und Wiesenwegen geht es ab jetzt entspannt bergab. Wir passieren etliche perfekt restaurierte Mühlen. Noch sind die Temperaturen angenehm  und Wolken lassen die Sonne, nicht direkt ihre volle Kraft auf uns einwirken. Recht unverhofft taucht dann wie aus dem Nichts der „Berg der Tränen“ auf. 

Ein steiler SingleTrail auf losem Schiefer. Im ZickZackKurs gilt es 150hm auf 1km zu erklimmen und da dieser Abschnitt auch ein Segment auf der LäuferPornoPlattform STRAVA ist, besorgen wir es uns hier mal so richtig. Ganz egal ob die verbleibenden 35km dann noch anstrengender werden. Genauso halsbrecherisch geht es dann wieder nach unten. Trotz Sauerstoffarmut, finden wir die Rubber Duck und machen das obligatorische Foto. 

Im weiteren Verlauf passieren wir das Kloster Arnstein und erreichen nach gut 40Km den lang ersehnten Kiosk in Nassau an der Lahn. Hier wird durchaus schonmal ein Hoch auf Cola, Malzbier, Wasser und Schokoriegel gefeiert. Da es bei einer Virtuellen Challenge logischerweise keine Verpflegungspunkte gibt.

Dann geht’s mal wieder steil hoch zur Burg und ebenso wieder herunter. 

Die zweite Plastikdose finden wir dann oberhalb der 12 Serpentinen zum Fischteich. 

Der Buchtitel dieses mal: „DER IDIOT“

Es folgen 17 leicht ansteigende Kilometer auf schmalen Pfaden oberhalb des Mühlbaches. 

Als wir aus dem Wald brechen, knallt mittlerweile die Sonne erbarmungslos auf den geschotterten Radweg. 

An einer Sauerquelle erfrischen wir uns, das Wasser ist hier  sehr eisenhaltig und besitzt sogar etwas Kohlensäure. Wie dies folglich schmeckt, wollt ihr nicht wirklich wissen. 

Leicht hätte ich die nächsten Geh-Kilometer auf den Genuss dieser rostigen Flüssigkeit zurückführen können. Aber der erfahrene Läufer weiß, dass das ein oder andere Tief einfach zu solch einem Lauf dazugehört. 

So erhole ich mich gehend und kann die letzten Abschnitte  dann auch wieder laufen. 

Nach Brutto 9 Stunden und etwa 1600HM erreichen wir das Ziel. 

Fazit: 

Ein komplett anderer Lauf als unser DonnersbergTrail. Schön – Lang – Idyllisch! 

Aber darum schweift man ja in die Ferne, um neue Wege kennenzulernen.

 
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