Ein Erlebnisbericht von Wolfram Böcher:

Zum 6. mal fand am Samstag, den 5.9. der SONUT (Soonwald-Nahe- Ultratrail) statt.
Ein vom Trailteam Nahetal perfekt organisierter und unter strenger Einhaltung aller Vorschriften durchgeführter 62 Km Lauf mit 2100 zu überwindenden Höhenmetern.
Endlich konnte ich mal teilnehmen, denn in den Jahren zuvor stand ich ja immer mit Volker von den ROKland Runners in Finkenbach, um den dortigen Kultlauf „ROKland Trail“ sicher über die Bühne zu bringen. 
Etliche LC-ler haben dort ja auch schon gefinished. 
Info am Rande: der ROKland-Trail findet nicht mehr regelmäßig statt, sondern nur noch, wenn die Organisatoren wieder Bock drauf haben Läufer zu quälen. 
Doch zurück zum SONUT. Knapp 100 Verrückte trafen sich am frühen Morgen zur Startnummernausgabe in Bad Sobernheim. Das Wetter war perfekt und selbst die Bahn war pünktlich. So bestiegen wir den Triebwagen und fuhren nach Kirn zum Startpunkt. Die Einheimischen empfingen uns mit gemischten Blicken. Wenig verwunderlich, wenn 100 Maskierte mit martialischem Aussehen und teilweise mit Stöcken bewaffnet durch die Straßen ziehen.

Dann hielt Basti in gewohnt unterhaltsamer Weise das Streckenbriefing und schon ging es in 10er Startgruppen im Abstand von 1 Minute auf die Reise. 
Nanu, dachte ich. Bin ja gleich ganz hinten in meiner Gruppe, obwohl es erst 1km flach durch die Stadt ging. 
Sind die hier alle so schnell? Oder bin ich so langsam?? Egal- das regelt sich alles von selbst in den nächsten Stunden.
Zunächst ging es achterbahnmäßig hoch und runter. Von Laufrhythmus noch keine Spur. Schnell ließen wir Kirn hinter uns und sollten bis zum Ziel in Bad Sobernheim auch keine menschliche Siedlung mehr betreten. 
Nach etwa 1,5 Stunden hatte ich mein Tempo gefunden und ließ traditionell die 1. VP (Verpflegungsstelle) links liegen. 

Dabei machte ich schlagartig etwa 15 Positionen gut und warf mich euphorisch in den nächsten sausteilen Anstieg. 
Mit der Seilschaft oben angekommen, herrschte erst einmal Unklarheit über den weiteren Streckenverlauf. 
Denn ein Großteil der Strecke verläuft ja über den Soonwald-Steig und somit ist Orientierung nur mittels der 10x15cm großen Wegschildchen vorgesehen. Okay, hier und da ein Sprühpfeil oder ein Flatterband seitens der Veranstalter, aber ansonsten heißt es Augen auf-sonst falsch gelauf!! Wir taten Letzteres und sammelten so einige Extra Höhenmeter und Minuten. Vorteil der ganzen Aktion: Ich treffe Jenny.

Eine Läuferin aus dem Münsterland, mit der ich die nächsten 6 Laufstunden unterwegs sein werde.
Wie sich herausstellte ist sie auch im Schuldienst tätig und Ultra erfahren. Wer einen Doppel-Ironman in 30 Stunden schafft und den Berliner Mauer Lauf von 160!! Km gefinished hat, wird auch 62Km im Soonwald meistern. So vergehen die nächsten Stunden wie im Flug. Die Landschaft ist höchst abwechslungsreich und es wird nie langweilig.

Dank der GPS Uhr von Jenny verlaufen wir uns nur nur meterweise. Ab Kilometer 50 muss Jenny allerdings alle Register ihres pädagogischen Können ziehen. Jetzt heißt es für sie: Warten auf die Langsamen. Nämlich mich.
Leer im Kopf und müde in den Beinen versuche ich das Tempo zu halten. Es bleibt schwierig. 
In purer Verzweiflung und schierer Sauerstoffarmut mache ich Jenny einen Heiratsantrag, wohl wissend, dass ihr Freund 20 Jahre jünger und 45 Minuten vor uns ist. 1,5Km vor dem Ziel muss ich sie ziehen lassen. Sie schafft 7h59, ich 8.00h. 
Danke Jenny für diesen schönen Lauf. Zielverpflegung besteht für mich in erster Linie aus Kirner Pils und Weizen, sowie Malzbier und Iso.
Die Finisher-Trophäe besteht aus dem oben erwähnten Soonwald-Steig Wegschildchen. Sehr passend und schön anzusehen.

Fazit: Sehr schöner Lauf mit Freunden.

 
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