Der 100 km-Lauf von Biel war für Michael Peifer das erklärte Saisonziel 2013.

Wie er sich vorbereitet hatte, wurde vor 14 Tagen in einem persönlichen Interview festgehalten.

 

Michael berichtet nun über sein Bielerlebnis:

 

Im Gegensatz zu meinen letzten Trainingswochen und den absolvierten Wettkämpfe  stand die letzte Woche ganz im Zeichen der Regeneration.

Am Freitag der 07. Juni 2013, endlich war mein großer Lauftag da.

Bereits am Donnerstag fuhr ich mit meinem VW-Bus (T2) auf den Campingplatz Biel. Am Donnerstagnachmittag holte ich meine Startnummer ab

Die endlich stabile Wetterlage versprach ein tolles Laufevent.

Die verbliebenen Stunden vor dem um 22 Uhr geplante Start war mit Vorbereitungen, WC- Besuchen, viel Trinken. Faul auf der Liege liegend und Fachsimpeln mit anderen schnell vorbei.

Natürlich hatte ich mir im Vorfeld so meine Gedanken über das zu avisierende Ziel gemacht. Das Resultat meiner Überlegungen war das Knacken der 10 Stunden Grenze.

Nach dem vor kurzem geführten Gespäch mit der 45km Keufelskopf-Ultratrail Siegerin Monika Gebele, war ich der Überzeugung, dass ich die o.g. Grenze schaffen könnte

Mental  hatte ich mir dieses Ziel ja verinnerlicht und wollte nur in 20km-Abschnitte diesen außergewöhnlichen Wettkampf absolvieren.

Gewisse Unsicherheitsfaktoren blendete ich ebenfalls aus.

Nun stand ich also am Start des ehrwürdigen Bieler Laufes.

Ich reihte mich im mittleren Startfeld ein. Die Stimmung vor dem Start war einfach großartig. Der Veranstalter begrüßte die Top-Favoriten und heizte mit Musik die Stimmung noch weiter an.

Dann der erlösende Startschuss und die aufgestauten Energien und Emotionen aller Läuferinnen und Läufer ergossen sich in die Bieler Laufnacht..

Ich fand sehr schwer in den 100km-Wettkampf hinein. Ich hoffte mein  Anfangstempo war kontrolliert. Es kam kein Gefühl auf, dass ich jetzt irgendwie zu schnell wäre.

Auch nicht, als es nach  ca 7 km die erste knackige Steigung kam. Da machte sich u.a. auch das Berglauftraining rund um den Donnersberg bezahlt. Wo es rauf geht, muss es auch wieder irgendwann runter gehen, so auch bei dieser ersten Steigung.

Nach der Steigung flachte die Strecke in den ersten 20 km ab. Mein Tempo von ca. 5:40 Min/km hielt ich ein.

Die zurückgelegte Distanzen wurden alle 5 km angezeigt.

Immer wieder konnte ich mir in dieser Phase des Rennens  die tolle Stimmung in den kleinen Ortschaften (besonders Aarberg) und die schönen Sterne am Himmel vor Augen führen.

Abwechselnd nahm ich pro Verpflegungsstation folgendes zu mir:

Isostar, Wasser, Mischbrot in Würfel geschnitten, Bananen, Müsliriegel, Gels, 3x Brühe alle 5km abwechseln; ich wunderte mich dass mein Magen diese Tortour ohne große Probleme (nicht in den Büschen gewesen) ausgehalten hat.

Trotz der gezielten Verpflegung kam es zu kleinen  Muskelkrämpfen. Die waren jedoch nur von kurzer Dauer.

Meine „Beine“ waren gut; die Motivation sowie die mentale Stärke und das gleichmässig Tempo trugen mich von Kilometer zu Kilometer.

Auf dem Trampelpfad (Ho Chi Min Pfad) ,übersäht mit Wurzeln und Schlaglöchern, diente mir meine mitgenommen Stirnlampe leider nicht die besten Dienste. Empfehlung: Mehr Lux, sonst wäre mein Sturz vermeidbar gewesen.

Langsam begannen sich die Kilometer physisch wie mental bemerkbar zu machen.

Ich bekam meine  Krise von km 62 bis 74km. Hier war u.a. auch  „Wandern“ angesagt.

„Aber dann, aber dann ging die Sonne auf“ …und ich verspürte neue Lebensgeister.

Zu dem überholte mich irgendwann die liebe Monika Gebele (eine Ultratrailsiegerin und letztjährige Finisherin von Biel mit knapp 9:59 Std) mich. Nun begann es wieder Spass zu machen und ich konnte in dieser Phase wieder Boden gut machen. Da mir ihr Couch berichtete, sie wäre auf einer Zeit unter 10 Std.

Die letzten ca 15km ging es direkt an Aare entlang. Mit dem Sonnenschein im Rücken  ging es „runter“ in Richtung Biel.

So gut meine müden Beine noch konnten, ließ ich es laufen, da ich „Monika“ wieder in Sichtweite hatte.

Ich schöpfte daraus natürlich wieder Hoffung in Biel eine gute Zeit zu laufen.

Das Thermometer bewegte sich so um 6:30 Uhr  auf ca. 20  Grad, was das Laufen über die offene Ebene vor Biel nicht gerade angenehmer machte.

Nach km 95  wurde dann jeder Kilometer angezeigt.

Ich hatte mir nicht vorgenommen,für die Erreichung meines Ziels (unter 10 Std.), zum Schluss noch die letzten Reserven aus dem Körper zu kitzeln, sondern wollte ganz entspannt im  Ziel ankommen. Der Km-Schnitt lag dort bei ca 6:00 Min.

Endlich war es geschafft, die 100 km von Biel 2013 zuerreichen.

Es war hart gewesen und ich war sehr froh, im Ziel angekommen zu sein. Glücklich war ich natürlich über meine Zeit von 9:52,56 Std. Das dabei noch der 16.Platz in der M 50 heraussprang nahm ich gerne mit. Zudem wartete Monika Gebele schon glücklich im Ziel auf mich. Wir fielen uns in die Arme und genossen unseren Erfolg.

Ich möchte mich hiermit bei allen LC’er, welche mir im Vorfeld der Veranstaltung „Mut“ zugesprochen hatten und gleichfalls auch noch  „motiviert“ haben, sehr herzlich bedanken.

Zum Abschluss eine wichtige Information für LC‘er, welche Biel auch einmal probieren wollen:

  • Just do it, bedenkt aber, es ist kein Honiglecken. Ohne lange Einheiten geht gar nichts. Macht dabei ruhig auch mal ein paar Einheiten knapp um die 50 km, ihr werdet es in Biel zu schätzen wissen. Da man hier ein marathonmässiges Laufen, jedoch wesentlich langsamer, anstreben sollte. Gegenüber einem Gelände-Ultratraillauf kann dort  fast „autobahnmässig“ laufen.
  • Erarbeitet Euch ein mentales Hilfsprogramm im Kopf , damit auch schwierige Phasen überstanden werden.
  • Regelmässiges Trinken und Essen ist essentiell. Legt Euch einen Plan zurecht, welcher aus den Erfahrungen im Training basiert. Bei mir hat sich beispielsweise:  Trinken alle 25-30 Minuten (5km VP) und die abwechslungsreiche Verpflegung recht gut bewährt.
  • Haltet einen gewissen Laufrythmus ein, ganz nach persönlichen Gefühl.
  • Manche nehmen keine Stirnlampe mit, aber ich empfehle sie wegen des „ Ho Chi Min Pfades“ dringend. Vor allem wenn es nicht Mondhell ist. Denn ohne Lampe wird es sehr mühsam und die Verletzungsgefahr könnte steigen.

 

Fazit:

Eine sehr positive Bilanz. Es war schön, die Stimmung in den Dörfern war Klasse und die zu laufende Strecke ist es wirklich eine große Herausforderung.

Ich habe mir nach dem Lauf einige Regenerationstage im Schwarzwald gegönnt. Den 100km-Lauf habe ich jedoch sehr gut verkraftet und mich erstaunlich schnell erholt. Ein Wiedersehen in  2 Jahren ist durch aus möglich.

Der Spruch: „Irgendwann musst Du nach Biel“ hat sogar Urheber Werner Sonntag im Alter von 87 Jahren als Zuschauer an der Strecke erneut miterlebt.

Memo :1979 lief er in der M 50 seinen ersten Biel-Lauf in 10:03 Std., das sind mich ja gute Aussichten für mich.

 

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